Mieter Helfen Mietern Hamburger Mieterverein e.V.

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"Wasser sparen ist Unsinn in Deutschland"

Im März 2002 erschien ein Artikel in der Frankfurter Rundschau mit der überraschenden und provokanten These, dass das Sparen von Wasser Unsinn sei und mehr koste als nütze.Die Autoren sind Wissenschaftler an der Forschungsstelle für Recht, Ökonomie und Umwelt am Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Hannover. Vor dem Hintergrund der Feststellung, dass Wasser eine erneuerbare Ressource ist und die Menschen in der Bundesrepublik in einer von Regen "verwöhnten" Gegend leben, kann hierzulande mit dem Wasserverbrauch anders umgegangen werden als bspw. in wasserarmen Ländern.
Der Pro-Kopf-Verbrauch der Privathaushalte ist in den letzten Jahren in der BRD auf ca. 130 Liter Wasser gesenkt worden; das ist mit der niedrigste Verbrauch der Länder mit vergleichbarer Wasserversorgung. Die Deutschen sind Spitze beim Wassersparen. Anders sieht es da schon bei den Umweltschutzdisziplinen aus, die, um nachhaltig zu sein, auch massive Verbrauchseinschränkungen bedeuten würden. Es wird unbeschwert mehr und schneller Autogefahren, per Flieger in den Kurzurlaub verschwunden und unbedacht viel Energie verbraucht. Sparen an dieser Stelle wäre jedoch sinnvoller, weil damit der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen beschränkt würde, es weniger Kohlendioxidemissionen gäbe und weniger Energie verbraucht würde.

Nachhaltig unsinnig: Regenwassernutzungsanlagen

Ein Beispiel für eine der größten Nachhaltigkeitssünden sind laut den Wissenschaftlern Regenwassernutzungsanlagen: die erneuerbare Ressource Regenwasser wird mittels eines enormen Aufwandes nicht erneuerbarer Ressourcen von Privat lediglich ausgetauscht: statt aus der Wasserleitung nimmt man es aus der eigens dafür angeschafften Anlage. 50.000 Stück werden hierzulande jährlich neu installiert. Die dezentrale Regenwassernutzung im Haushalt ersetzt dabei die natürliche Speicherung des Regens durch künstliche Behälter (Betonzisternen, Plastikbehälter, Pumpen). Eine zweite Wasserversorgung minderer Qualität wird geschaffen, die z.B. für Toilettenspülung und Gartenwässerung verwendet wird. Da die Kapazitäten der Regenwasserbehälter aber trotzdem nicht für den ganzjährigen Verbrauch reichen, müssen die Nutzer immer wieder auf die öffentliche Trinkwasserversorgung zurückgreifen. Die Auslastungsschwankungen für die Netzbetreiber (Wasserwerke) verstärken sich, die Einnahmen sinken bei gleichbleibendem Instandhaltungsaufwand für das Rohrnetz. Das ist ökonomisch betrachtet eine unwirtschaftliche Bilanz.
Das Argument der Schonung von kostbarem Grundwasser und seiner Aufbereitung durch private Regenwassernutzung geht an der Realität vorbei. Es wird übersehen, dass die Aufbereitung von Grundwasser nur ca. 10 Prozent der Kosten der öffentlichen Wasserversorgung ausmacht, Bau und Unterhaltung des Rohrnetzes hingegen ca. 60 Prozent.
Größe, Rohrquerschnitte und Gefälle des Rohrleitungssystems sind auf ein bestimmtes Verbrauchsverhalten hin ermittelt und verlegt worden. Wassersparmaßnahmen wie z.B. die private Regenwassernutzung, die den privaten Verbrauch um ungefähr 50% senkt, verändern Fließgeschwindigkeiten des Wassers und führen zur Zunahme von Standwasser bzw. zu Stagnationsphasen. Die Folgen sind unerquicklich: die Korrosion im Netz steigt, die Qualität des Trinkwassers leidet, unerwünschte Stoffe (Eisen, Kupfer) nehmen zu, es kann zu Geruchsbeeinträchtigung oder gar zur Verkeimung kommen.
Um dem abzuhelfen und die hohe Trinkwasserqualität zu erhalten, müssen die Wasserwerke regelmäßig die Leitungen spülen. In Kiel hatte sich bspw. der Wasserverbrauch um 20 Prozent gesenkt, 2 Millionen Kubikmeter Wasser wurden im Jahr 2001 zusätzlich zur Spülung durch die Leitungen gejagt. Das Rohrnetz erweist sich jetzt als überdimensioniert, ein Rückbau von Teilen des intakten Netzes würde mehr als 10 Millionen Euro kosten. Der Material- und Energieverbrauch wäre beträchtlich.
Die Autoren warnen vor einem weiteren Rückgang des Trinkwasserverbrauchs wegen der möglichen Verschlechterung der chemischen, hygienischen und bakteriologischen Qualität. Das würde den Verbraucher noch mehr dazu bringen, statt Leitungswasser Flaschenwasser zu trinken. Seit 1970 ist der Konsum von Mineral- und Heilwässern in Deutschland von 12 Litern pro Jahr und Bürger auf 100 Liter in 2001 gestiegen. Diese Art der Substitution von Trinkwasser ist ebenfalls mit einem hohen Material- und Energieverbrauch verbunden sowie mit Preisen, die 20.000 Prozent bis 200.000 Prozent über dem von Trinkwasser liegen.
Wasser sparen ist global gesehen jedoch unerläßlich. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.

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