Wilhelmsburg
Vergessenes Bahnhofsviertel?
Mieter im Bahnhofsviertel in Wilhelmsburg ärgern sich über ihren Vermieter, die Gagfah, und sahen sich ihm doch bisher hilflos ausgeliefert. Eine Mieterversammlung von MhM und der ortsansässigen St. Raphael Kirche brachte jetzt Bewegung in die Sache.
Was war passiert? Schon seit langem kommt die Gagfah ihren Instandsetzungsverpflichtungen nur sehr zögerlich oder gar nicht nach. Mieter klagen über Wasserrohrbrüche, feuchte Keller und Wände in den Wohnungen, Schimmel, kaputte Türen und Schlösser sowie defekte Fahrstühle; ein Horror für alte Menschen, die in den oberen Etagen der Hochhäuser leben. Hin-zu kommen unverständliche Abrechnungen und hohe Hausmeisterkosten.
Die Erfahrung, dass nichts passiert, machen Gagfah-Mieter auch in anderen Stadtteilen und Städten. Die Gagfah ist ein börsennotiertes Immobilienunternehmen und in erster Linie an der Dividendenausschüttung für ihre Aktionäre interessiert. Ein Anliegen, das der amerikanische Hauptaktionär Fortress besonders betont. Darum wird wenig investiert und instand gehalten. Doch diese Taktik scheint sich zu ändern. Auf der Mieterversammlung wurde Mietern des Viertels von Rechtsanwalt Udo Smetan und Rechtsanwältin Filiz Topal empfohlen, die Gagfah schriftlich unter Fristsetzung zur Mängelbeseitigung aufzufordern. Diesen Vorschlag setzten viele Mieter in die Tat um. Mit dem erfreulichen Ergebnis, dass die Gagfah postwendend mit dem Versprechen reagierte, tätig zu werden. „Ein erster Erfolg und eine Reaktion auf die Mieterversammlung, von der die Gagfah erfahren hatte“, so sieht es Pastorin Raum-Blöcher.
Die dort lebenden Menschen, viele von ihnen sind arm und haben einen Migrationshintergrund, sind auch auf Unterstützung von Politik und Verwaltung angewiesen. Die Stadt ist aber auch aus einem anderen Grund in der Verantwortung. Es kann nicht sein, dass die öffentliche Hand Millionenbeträge in die soziale Stadterneuerung investiert, während ‚Heuschrecken‘ ganze Wohnblöcke und Viertel verkommen lassen.
Karin Aßmus










