Mieter Helfen Mietern Hamburger Mieterverein e.V.

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Hamburger Mietenspiegel 2009

Günstige Wohnungen schwinden!

Bausenatorin Hajduk präsentierte den neuen Hamburger Mietenspiegel 2009 auf der einberufenen Pressekonferenz unter der Überschrift „Mietanstieg in Hamburg verlangsamt sich“. Klingt nach einer guten Nachricht, die sich aber als Zweckoptimismus entpuppt. Denn der frisch veröffentlichte Mietenspiegel 2009 weist erneut Mietsteigerungen auf, die über der Inflationsrate liegen. Um 3,6 % sind die Mieten durchschnittlich in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Was also bringt der neue Mietenspiegel?

Sehr unterschiedlich fallen die Interpretationen des neuen Mieten­spiegels aus. So seien die Altbaumieten entgegen der Erwartungen nur moderat gestiegen, verkündete Frau Hajduk. Denn gerade in den innenstadtnahen Altbauvierteln habe man mit größeren Miet­sprün­gen gerechnet. Diese Aussage ist irreführend: Denn die Werte der Spalte B des Mietenspiegels, also die Mieten der schlecht ausgestatteten Altbauten, sind weit überdurchschnittlich gestiegen.

Teure Altbauwohnungen

Die Steigerungen liegen zwischen 1 und 12 Prozent! Also gerade keine Entwarnung für Stadtteile wie St. Pauli und Wilhelmsburg, wo es noch viele Altbauwohnungen ohne Zentralheizung oder Bade­zim­mer gibt. Richtig ist hingegen, dass die Mieten der gut ausgestatteten Altbauwohnungen der Spalte C nur zwischen 1 bis 4 Prozent zugelegt haben. Diese befinden sich allerdings auf sehr hohem Niveau. Und auf noch eine Besonderheit wies das Institut Analyse & Konzepte hin, das den Mietenspiegel im Auftrag der Baubehörde (BSU) erstellte: Im gesamten Altbaubereich lasse sich eine extrem unterdurchschnittliche Fluktuation feststellen. Finden sich insgesamt 39 Prozent Neuvermietungsmieten im Mietenspiegel, so liegt diese Quote im Altbaubereich bei nur
15 Prozent! Das Institut deutet dieses Verharren der Mieter in ihren Altbauwohnungen als deutliches Zeichen fehlender Alternativen und damit als Ausdruck eines knappen Angebots.

Unterwerte steigen kräftig

Auch die Mieten günstiger Wohnungen sind überdurchschnittlich gestiegen. Diese Wohnungen sind knapp, denn die Nachfrager­gruppe ist groß. Um solche Wohnungen konkurrieren ALG II-Em­pfänger mit Studierenden und Menschen, die aus dem Umland zu­wan­dern. So ist der untere Spannenwert durchschnittlich um 5 Prozent gestiegen. Damit verkleinert sich der Abstand zwischen den Unter- und Oberwerten des Mietenspiegels weiter, er beträgt im Schnitt nur noch 2,16 €. Das insgesamt deutlich steigende Mietniveau beruht also hauptsächlich auf einem Schwund bislang noch günstiger Wohnungen.

Unterkunftskosten anpassen!

Da der Bestand an Sozialwohnungen jährlich um 5.000 bis 6.000 Wohnungen sinkt, wird sich dieses Problem weiter verschärfen. Besonders deutlich die Not, wenn man sich vor Augen führt, dass laut Wohnungsbauentwicklungsplan der BSU, die Hälfte der Hamburger Haushalte nach den Hamburger Maßstäben § 5-Schein­berechtigt wäre! Die Werte des aktuellen Mietenspiegels müssen schleunigst zum neuen Maßstab für die Angemessenheit der Unterkunftskosten werden. Sonst werden auf die jetzt unweigerlich folgenden Mieterhöhungen schnell unrealistische Kostensenkungsaufforderungen der ARGEn an die ALG II-Bezieher folgen.

Neubaumieten explodieren

Erstmals steigen auch die Mieten von Neubauwohnungen deutlich. Alle Mittelwerte der Spalte M, also der Wohnungen der Baualtersklasse 1994 bis 2008 liegen über 8 €, in der guten Wohn­lage sogar über 10 € netto kalt! In diesem Bereich stagnierten bzw. sanken die Mieten in den vergangenen Jahren. Ein Nach­holbedarf sowie die Wohnungsknappheit und der Umstand, dass bei Neubaumieten naturgemäß keine Altmietverträge mit niedrigen Mieten schlummern, mögen Erklärungsansätze sein, machen das Phänomen aber nicht so recht nachvollziehbar.

Wohnlage ist preisbestimmend

Aber vielleicht hilft auch die Beobachtung weiter, dass die Dif­ferenz zwischen den Wohnungen normaler und guter Wohn­klage wächst. Der Abstand beträgt im Schnitt 1,84 €/m². Insge­samt sind die Mieten der Wohnungen in guter Wohnlage – ihr Anteil beträgt etwa ein Drittel der im Mietenspiegel abgebildeten Woh­nungen – überdurchschnittlich gestiegen. In der Zusam­men­schau mit den extrem gestiegenen hochpreisigen Neubaumieten ist also festzuhalten: Hamburger Woh­nungen sind einerseits im hochpreisigen Segment und im besonders niedrigpreisigen Seg­ment außerordentlich begehrt.

Mieterhöhungswelle

Allen Haushalten drohen also Mieterhöhungen zum Jahres­wechsel, denn gesunken sind die Mieten nur in vier Feldern. Diese Welle kann den Boden bereiten für den nächsten Mietenspiegel. Denn die Dynamik steckt im System: Im Mietenspiegel werden nur die Mieten berücksichtigt, die sich in den letzten vier Jahren verändert haben. Bleibt für den einzelnen Mieter also nur, die eigene Mieterhöhung genau unter die Lupe zu nehmen. Vermieter machen oft Fehler. Und da selbst Vermieter, die jahrelang nichts in ihre Häuser investieren, schlicht eine Mieterhöhung rausschicken können, weil der enge Hamburger Wohnungsmarkt steigende Preise garantiert, sollte man sich nicht scheuen, jede Chance zum Bremsen der Mietpreisspirale – angefangen in den eigenen vier Wänden – zu nutzen.

Und die Politik?

Auf Bundeseben gäbe es viele wirksame Instrumente, der Preis­spirale Einhalt zu gebieten: Abschaffung von Modernisierungsmieterhöhungen, Mietenspiegel ohne Vier-Jahres-Frist, Preis­bin­dung bei Neuvermietungen an die ortsübliche Vergleichsmiete ..., aber die derzeitige Koalition hat da ganz andere Pläne (s. Seite 14). Und auch auf Hamburger Ebene kann man handeln und die Konzepte der Stadtentwicklungspolitik überdenken. Wer auf eine wachsende Stadt setzt, muss eine wachsende Anzahl von Wohnungen zur Verfügung stellen, sonst wachsen vor allem die Miet­preise!

Sylvia Sonnemann

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