Mieter Helfen Mietern Hamburger Mieterverein e.V.

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MhM-Aktion: Ferienwohnungen zu Mietwohnungen!

2.000 Wohnungen in Hamburg zweckentfremdet

Hamburg ist beliebt und attraktiv. Das belegen neben kontinuierlich steigenden Einwohner-, auch die steigenden Touristenzahlen. Gleichzeitig entwickelt sich eine neue Form des Tourismus mit deutlich negativen Folgen für den Hamburger Wohnungsmarkt. Immer mehr Wohnungen werden in Hamburg durch die Nutzung als Ferienwohnung zweckentfremdet. Und das, obwohl anmietbare Wohnungen mittlerweile Mangelware in Hamburg sind. Seitens Politik und Verwaltung geschieht nichts. Das will MhM ändern mit der Aktion ‚Ferienwohnungen zu Mietwohnungen‘.

Laut einer Untersuchung der Hamburg Tourismus GmbH hat die Zahl der Übernachtungen in der Metropolenregion Ham­burg seit 2001 um 87,6 % zugenommen. Im August 2011 wurde die Millionen­grenze mit insgesamt 992.111 Übernachtungen im Monat nur noch knapp verfehlt. Auch in Zeiten der Finanzkrise nimmt die Reisebe­reitschaft nicht ab. Im Trend liegen derzeit Kurztrips in die europäischen Metropolen. Hamburg profitiert davon in ganz besonderem Maße. „Aus der touristischen Nach­frage resultieren rund 11,02 Mrd. Euro Bruttoumsatz“, fasst die Hamburg Marke­ting GmbH in ihrer Studie zum „Wir­tschafts­faktor Tourismus“ zusammen.
Übernachtet wird dabei längst nicht mehr nur in Hotels. Immer mehr Anbieter werben mit privaten Wohnungen um Reisende. In Beratungsgesprächen bei Mieter helfen Mietern beobachten wir, dass Mieter zu­­nehmend über ständig wechselnde Nach­­barn und Lärmbelästigung klagen. Bei unse­ren Recherchen mussten wir feststellen, dass in Hamburg eine Vielzahl von Wohnungen dauerhaft als Ferienun­ter­künf­te genutzt werden. Eine Form der Zweckentfremdung, die laut Hamburger Wohnraumschutzgesetz verboten ist.

„Slumming“ auf St. Pauli

Die Attraktivität der Hansestadt be­schränkt sich dabei längst nicht mehr auf die üblichen Ausflugsziele Hafen, Michel und Reeperbahn. Das vielfältige, kulturelle Angebot lockt vor allem junge Gäste und so genannte jung gebliebene Best Ager, die gerne das „echte“ Hamburg erleben wollen. Die Hamburg Tourismus GmbH wartet für dieses Publikum mit einer Ex­tra-Bro­schü­re auf. „Vorbei an den ‚touristischen Klas­sikern’ hinein in das vibrierende, szenige Hamburg, dorthin, wo die Han­sestadt keine Pause kennt, wo immer etwas los ist, sei es beim Essen, beim Shoppen, bei der Kultur oder im Nacht­leben“. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat diesen Trend erkannt: „Er­folgreich sind Häuser mit Ausstrahlung und persönlicher Handschrift“, heißt es auf der Home­page des Verbandes. Das in­dividuell ge­stal­tete Apartment, mittendrin im pulsierenden Leben, das trotzdem ordentlich, ge­pflegt und preiswert ist, bildet für ein erleb­nisorientiertes Publikum genau die pas­sende Alternative zum Hotel.

Moderne Städtereisen im Trend

Dass das Geschäft mit den Ferienwoh­nungen äußerst lukrativ ist, wird durch die wachsende Zahl der Online-Portale deutlich. Mit einer Mischform von privaten, aber eben auch professionellen Ver­mietern sind in den letzten Monaten die Online-Wohnungsbörsen Airbnb, Wimdu und 9flats gestartet. Zusammen bieten die drei Unternehmen derzeit in Hamburg 1.000 Unterkünfte an, darunter befinden sich etwa 500 Ferienwohnungen. Neben der dauerhaften Vermietung ganzer Woh­nungen werden die Portale auch von Mietern genutzt, die kurzfristig ein Zim­mer zur Untervermietung zur Verfügung stellen. Egal, ob sich ein solches Konzept durchsetzt und erfolgreich wird, das Be­dürfnis nach individuellen und bezahlbaren Unterkünften ist auf Seiten der Städ­tereisenden auf jeden Fall vorhanden.

Zweckentfremdung verschärft Wohnungsnot

Im Gegensatz zur allgemeinen Beliebtheit Hamburgs stagniert die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt: Wohnraum ist knapp, Schätzungen zufolge fehlen derzeit in Hamburg 40.000 Wohnungen. Während im letzten Jahr die Bevölkerung um 12.224 anstieg, wurden nach Angaben des aktuellen Hamburgischen Wohnungsbauent­wick­­­lungsplanes gerade einmal 3.051 Wohnein­heiten im gleichen Zeitraum fertiggestellt. Der Studie „Wohnungs­knapp­heitsindika­tor Deutschland“ im Auf­trag der GBW Gruppe zufolge rangiert Ham­burg auf Platz 2 hinter München. Doch nicht nur der mangelnde Neubau von Wohn­raum ist ein Problem. Die Situation auf dem Wohnungs­markt wird durch Zweck­­ent­fremdungen und das Leer-Ste­hen-Lassen von Wohn­raum verschärft. 2010 hat Mieter helfen Mietern im Rahmen der „Kampagne gegen Leerstand“ (vgl. mietraum² 1/2010) 100 leer­stehende Wohnun­gen angezeigt. Der Verdacht liegt nahe, dass hier auf einen profitableren Verkauf in der Zukunft spekuliert wurde. Eine größere Dimension hat dagegen nach unseren Recherchen die Zweckentfremdung von Wohn­raum zugunsten von Ferien­woh­nun­gen. Derzeit werden nach unseren Re­cher­chen etwa 2.000 Woh­nun­gen dauerhaft dem Wohnungsmarkt durch die Nutzung als Ferienwohnung entzogen.

Lukratives Geschäft mit Ferienwohnungen

Etwa 50 bis 100 Euro pro Nacht zahlen Feriengäste in Hamburg für eine 30 bis 70 Quadratmeter große Wohnung. Schnell lässt sich so bei ausreichender Auslastung das Drei- bis Fünffache einer „normalen“, am Mietenspiegel ausgerichteten Monats­miete erwirtschaften. So kostet beispielsweise eine 49 m2 große Ferien­woh­nung in der Lobuschstraße in Ottensen 89 Euro für zwei Personen pro Nacht. Für einen ganzen Monat wird die Wohnung für 2.601 Euro inklusive Endreinigung angeboten. Solch astronomische Summen verdeutlichen, wie attraktiv das Geschäft mit den Ferienwoh­nungen geworden ist. Er­leich­tert wird die Verwaltungsarbeit durch Online-Woh­nungs­börsen, die ebenfalls von der Ver­mietung profitieren. Ein weiterer Vorteil der gewerblichen Nutzung entsteht da­durch, dass der Mieter ohne Untermiet­vertrag nicht in den Genuss von Mieter­rechten kommt. Die Dynamik auf dem Hamburger Wohnungsmarkt und steigende Mietpreise bieten derzeit Wertsteige­rungen der Immobilien von 10 % und mehr innerhalb eines Jahres, wie das Un­ter­­neh­men Grossmann & Berger GmbH in seinem Marktbericht ‚Bau­träger‘ analysiert. Ham­burg ist damit europaweit eines der interessantesten Anlagefelder für Immobilien. Schneller als mit den ohnehin hohen Ham­burger Mietpreisen lässt sich Profit nur noch mit Ferien­wohnungen erwirtschaften. Ca. 1.500 Pri­vat­zimmer und Ferien­woh­nun­gen bieten Online-Portale wie fewo-direkt.de, traum-ferienwohnung.de, ferien­­­wohnun­gen.de und die auf den Ham­burger Markt spezialisierten Woh­nungs­börsen hamburg-lodge.de und ferienwohnungen-ham­burg.net an. Nur ein kleiner An­teil davon befindet sich in Gewerbe­räumen, in denen ein solcher Beherber­gungs­betrieb gestattet ist. Bei dem überwiegenden Teil der Angebote handelt es sich um Wohn­raum, der extra als Ferien­wohnung hergerichtet und anschließend gewerblich genutzt wird. Dass Wohnraum­börsen genutzt werden, ist verständlich. Die Umnutzung einer Mietwoh­nung in eine Ferienwohnung hat jedoch auch Aus­wir­kungen auf die übrigen Mieter. Ferien­woh­nungen befinden sich in der Regel in größeren Häuser­kom­plexen. Bei MhM sind in­zwischen zahlreiche Beschwerden von Mietern eingegangen, die sich über ständige Partygäste in der Nachbarwohnung, mor­gendlichen Lärm durch Rollkoffer und fehlende Nachbarschaft durch ständig wechselnden Gäste gestört fühlen. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in Berlin beobachten. Dort sind Ferienwoh­nungen seit einigen Monaten in der öffentlichen Debatte. Berliner Mieter-Initiativen fordern ebenfalls, dass der Wohnraum wie­der dem Wohnungsmarkt zugeführt werden muss.

Mitmachen bei der MhM-Aktion:
Ferien- zu Mietwohnungen!

Während in Berlin nur an die Politik ap­pel­liert werden kann, ist die Frage der Zweck­entfremdung in Hamburg gesetzlich geregelt. Das Hamburgische Wohnraum­schutz­ge­setz verbietet „die Überlassung von Wohn­raum an wechselnde Nutzer zum Zwecke des nicht auf Dauer angelegten Ge­brauchs und eine entsprechende Nut­zung“. Die Auseinandersetzungen um steigende Mieten und Verdrängung in der Stadt in den vergangenen Monaten haben gezeigt, dass nur öffentlicher Druck Be­we­gung in die Politik bringt. Mieter helfen Mie­tern will das Ausmaß der Zweck­entfremdung feststellen und bekämpfen. Wenn es ge­lingt, bei vielen Wohnungen eine Wie­der­nutzung als Wohnung zu er­wir­ken, könnte so der Mietenwahnsinn in Hamburg ge­bremst werden. Helfen Sie mit, füllen Sie unseren Fragebogen aus und melden Sie uns diese Wohnungen. Wir zeigen die Zweck­entfremdung dann bei der zuständigen Stelle an und machen die Sache publik.

Jonas Füllner

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