Das nützt einkommensschwachen Haushalten wirklich
Energiesparlampen als Geschenk
Wo gibt's denn so was? Einkommensschwache Haushalte bekommen gleich drei Sachen auf einmal geschenkt. Erstens: Energiesparleuchten und schaltbare Steckdosenleisten im Wert von bis zu 70 Euro. Zweitens: Eine qualifizierte Beratung zum Nulltarif. Und drittens: Ein gutes Gewissen, denn der Haushalt wird künftig seine CO2-Bilanz erheblich verbessern.
Kein Trick dabei. Nichts Kleingedrucktes. Selbstverständlich alles völlig legal. Und kein großer Aufwand: Zwei freundliche Berater kommen ins Haus, schauen sich um, wechseln die Energieverschwender aus und wünschen dem Mieter einen guten Tag. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Aber: das Angebot gilt nur für einkommensschwache Mieter.
Morgens um zehn in der Bramfelder Straße. Ralf Bauerdorf (54) ist von Beruf Energiesparhelfer und auf seiner täglichen Tour durch Hamburger Mieterhaushalte. Seine erste Kundin an diesem Tag ist Andrea Bartel, die hier mit Kind und Lebenspartner in einem 60er-Jahre Mietshaus wohnt. Ralf Bauerdorf kommt immer zwei Mal. Bei seinem ersten Besuch hatte er sich bereits die elektrischen Geräte wie Fernseher oder Kühlschrank und die Beleuchtung in der Wohnung angeschaut. Um sicher zu gehen, misst er bei einigen Geräten die Verbrauchswerte. Und manchmal wirft er auch einen Blick in die Strom- und Wasserabrechnungen. Seine Erkenntnisse schreibt er in ein Protokoll. Auf der Basis dieser aufgenommenen Daten stellen die Berater ein individuelles Stromsparpaket zusammen.
Wenn Ralf Bauerdorf einige Zeit später zu seinem zweiten Besuch erscheint, ist er schwer bepackt mit Energiesparlampen in allen Formen und Watt-Stärken, Zeitschaltuhren und Steckdosenleisten, die sich komplett ausschalten lassen. Energiesparlampen sind deutlich teurer in der Anschaffung, aber das muss Frau Bartel ja nicht kümmern, sie erhält den Komplettsatz für ihre Wohnung umsonst. Die neuen Leuchten halten viel länger als herkömmliche Glühlampen. Der nächste Nachkauf auf eigene Rechnung ist deshalb erst in vielen Jahren zu erwarten, das spart Geld. Auf dem Markt gibt es billige Energiesparleuchten, die, wenn man sie gegen eine herkömmliche Glühbirne austauscht, dem bisher behaglichen Wohnzimmer den Charme einer Industriehalle verleihen. Solch billiger Kram kommt bei Energiesparhelfer Bauerdorf nicht in die Fassung: „Ich arbeite nur mit Qualitäts-Leuchten mit warmweißer Lichtfarbe, Warmstart für lange Lebensdauer und hoher Schaltfestigkeit“, versichert er. Wie viel Geld wird der Dreipersonenhaushalt von Andrea Bartel wohl in den kommenden Jahren einsparen? Es dürften etwa 450 Kilowattstunden pro Jahr sein, das bringt umgerechnet eine Ersparnis, von knapp 100 Euro. Da die Stromkosten aus dem Regelsatz der Grundsicherung bestritten werden müssen, ergibt sich für Frau Bartel ein reales Plus in der Haushaltskasse. Ein gutes Geschäft auch für die Umwelt: über die Lebensdauer der eingebauten Spargeräte werden zwischen zwei und drei Tonnen CO2 vermieden.
Der größte Stromfresser im Haushalt ist meist der Kühlschrank, insbesondere dann, wenn er alt oder sehr alt ist. Die Energiesparhelfer können den Mietern ein lukratives Angebot machen: einen Zuschuss von 100 Euro beim Kauf eines neuen umweltfreundlicheren Geräts. „Der günstigste Kühlschrank mit der Quali-
tätsnote „ A++“ liegt bei 160 Euro. Der Mieter muss also die Differenz von 60 Euro aufbringen. Und dann kommt noch die Entsorgung des Altgeräts hinzu“, rechnet Christoph Dräger, der Projektleiter der Hamburger Energiesparhelfer vor. Seit das Kühlschrank-Programm im Herbst 2010 gestartet wurde, haben wir etwa 100 Stromfresser austauschen können.“
Für die Aktion „Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte“ sind zwölf Energiesparhelfer unterwegs. Sie alle sind über 50 Jahre alt und waren längere Zeit arbeitslos. Herr Bauerdorf war früher Bürokommunikationselektroniker, seine Kolleginnen und Kollegen arbeiteten als Pharmareferent, Programmiererin, Journalist und Kleinverleger, Medienoperator, Netzwerkadministrator, Gas- Wasserinstallateur und Elektrotechniker. Alle wurden im technischen Bereich geschult und erhielten ein Kommunikationstraining. Zur Ausbildung gehörte auch eher Skurriles wie die Unterrichtseinheit „Sicheres Besteigen einer Leiter“. Jetzt jedenfalls sind alle in der Lage, die energetischen Schwachstellen innerhalb eines Haushalts zu orten.
Der Etat für den Stromspar-Check kommt vom Bundesumweltministerium, der Hamburger Energieagentur und der ARGE. Zwei Jahre läuft das Projekt bereits, das dritte Jahr ist gesichert und Teamleiter Christoph Dräger akquiriert bereits Gelder für die weiteren Jahre. Denn es ist viel zu tun in Hamburg. Die Zweier-Teams schaffen meist drei Hausbesuche pro Tag. Da es in der Stadt rund 100.000 einkommensschwache Haushalte gibt, sind die Energiesparhelfer also bis ins Rentenalter gut ausgelastet.
Rainer Link
Machen Sie mit
Wer hat Anspruch auf den Hausbesuch der Energiesparhelfer?
Alle Mieter, die Arbeitslosengeld II, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen.
Einfach anrufen bei: STROMSPAR-CHECK 040/18 04 64 22 oder anmelden bei: www.stromspar-check.de .
Ralf Bauerdorf und seine Kolleginnen und Kollegen stehen in den Startlöchern.










