Mieter Helfen Mietern Hamburger Mieterverein e.V.

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Es werde Licht

Über den richtigen Umgang mit Energiesparlampen

Das langsame Sterben der vertrauten Glühbirne hat begonnen. Bis zum Jahr 2016 sollen die Energiefresser total vom Markt verschwunden sein. Schon heute werden Glühbirnen mit mehr als 80 Watt und alle matten Ausführungen nicht mehr produziert. Die Energiesparlampe soll unsere Wohnungen künftig in ein behagliches Licht rücken. Das kann gelingen, aber dazu gehört eine durchdachte Lichtplanung. Bei unbedachtem Einsatz der Energiesparlampe sieht das Wohnzimmer aus wie der OP-Saal eines Kreiskrankenhauses und im Schlafzimmer herrschen Lichtverhältnisse wie über der Wursttheke einer Metzgerei.

Gegen die herkömmliche Glühbirne spricht ein gewichtiges Argument: Sie wandelt nur 5 Prozent der Energie in Licht um, 95 Prozent gibt sie als Wärme ab. Das ist unvernünftig. Die EU handelte, verbot diese Energieverschleuderung und ebnete dadurch der Energiesparlampe den Weg. Aber auch sie kann auf Anhieb nicht überzeugen. Zum einen, weil sie giftiges Quecksilber enthält. Bei Fieberthermometern hat man Quecksilber verboten, durch die neuen Lichtquellen wird das Gift nun wieder an alle Haushalte verteilt. „Das ist doch total inkonsequent“, sagt Ulrich Seidler, der am Siemersplatz in Hamburg- Lokstedt ein alteingesessenes Lampengeschäft führt. Er ärgert sich vor allem über billige Energiesparlampen, die zumeist aus China importiert werden. „Die schlechte Lampe hat grundsätzlich mehr Quecksilber. Wenn Sie nun so eine kaufen und die hält auch nur 2.000 statt 20.000 Betriebsstunden, dann muss die giftigere zehnmal häufiger entsorgt werden. Sie haben also rund 20 mal mehr Quecksilber, wenn sie den China-Schrott nehmen.“ Also Hände weg von Billigware.
Mehr als 90 Prozent seiner Kundschaft hätte kein Verständnis für das Verbot der Glühbirne, sagt der Ladeninhaber. „Früher haben die Leute eine Birne gehabt und wenn die kaputt war, haben sie sich wieder die gleiche geholt. Und jetzt gibt es die plötzlich nicht mehr. Also muss jetzt der Fachmann ran und den Leuten sagen, welche Energiesparlampe für genau ihren Zweck geeignet ist.“ Und nicht für jeden Zweck gibt es heute bereits die optimale Lichtquelle, aber die Industrie versucht erkennbar gegenzusteuern. Herr Seidler zeigt uns ein deutsches Markenfabrikat. Das Preisschild weist einen Betrag von 29 Euro aus. Kein Schnäppchen, aber: „Die schafft 16.000 Stunden und man kann sie sogar bequem über den normalen Wandschalter dimmen. Und das Licht ist hellgelb und schafft Behaglichkeit.“

Die richtige Anwendung ist entscheidend

Energiesparlampen hinter Stoffschi­r­men oder hinter Glasverkleidungen bereiten keinerlei Probleme. Denn die Farbe des Lichtes wird durch das Material des Schir­mes bzw. des Glases bestimmt. Ansonsten gibt es mittlerweile durchaus teurere Energiespar­lam­pen, die ein wohnliches Licht abstrahlen, sie kosten nur ein bisschen mehr. Für Wohn- und Schlaf­räume eignen sich Lampen mit warmweißer Lichtfarbe. Zu erkennen an Bezeich­nungen wie „warm white“ und „ww“ oder an den Nummern 827 und 927 auf der Verpackung. Überall, wo das Licht über sehr lange Zeiträume brennt, zeigt die En­er­gies­parlampe ihre Stär­ken. Die volle Helligkeit erreicht sie aller­dings erst nach Minuten, deshalb ist sie ungeeignet für z. B. Trep­pen­häuser und alle Räume, wo man sofort volles Licht benötigt. „Auf den Packun­gen wird gelogen wie gedruckt“, gibt uns der Experte noch mit auf den Weg. „Bei der Helligkeit wird regelmäßig ge­schum­melt und die Zahl der garantierten Ein- und Ausschaltungen wird auch meist grotesk übertrieben.“

Was Verbraucherschützer sagen

Stiftung Warentest hat 2009 die neue Gene­ration der Energiesparlampen getestet und kommt zu überwiegend positiven Ergeb­nissen: Die Kosten für die Anschaf­fung der Lampen amortisierten sich schon nach einem Jahr durch den geringeren Strom­verbrauch. Und die Umwelt schonten sie außerdem. Die besten Energiespar­lam­pen im Test stammten von Megaman, Os­ram und Philips. Sie wären zwar vergleichsweise teuer, sparten bei 10 000 Brenn­stun­den aber bis zu 177 Euro gegenüber gleich hellen Glühlampen.
Hermann Michael Hell arbeitet als Ener­gie­berater für die Verbraucher­zen­trale Ham­burg. Das garantiert ihm Unab­hän­gigkeit in der Beurteilung neuer Tech­nologien. Die Lobby- Interessen der In­dus­­trie kann er ignorieren, er verdient sein Honorar durch unabhängige Bera­tungen. Wie schwer wiegt der Vorwurf, dass die Energiesparlampe bei ihrer Entsor­gung als quecksilberhaltiger Son­der­müll be­handelt werden muss, fragen wir den Exper­ten. „Quecksilber ist immer ein Problem, aber die Glühbirne, die uns Jahrzehnte lang begleitete, stieß, während sie Licht lieferte, per­manent Quecksilber aus. Das wird heute gern verschwiegen. Wenn man fair rechnet, trägt die moderne Energie­spar­lampe in der Sum­me sogar zur Quecksilber­vermeidung bei.“
Natürlich war das Verbot der Glühbirne für die Industrie bisher ein Riesen­ge­schäft, rechnet der Energieberater vor: „Was wir jetzt fordern müssen, sind deutlich sinkende Preise bei spürbar höherer Leuchtkraft für die ganze Palette der Energiespar­lampen.“ Der Ver­brau­ch­er soll auch nicht aus falsch verstandenem Um­weltbewusst­sein noch in den letzten Win­keln seiner Wohnung, beispielsweise in der Besen­kammer, die allerletzten Glüh­birnen aus­tauschen. „Nur da, wo Licht über lange Zeiträume benötigt wird, lohnt es, die Glüh­­birne aus der Fassung zu drehen“, rät Her­mann Michael Hell.
Sein abschließender Rat: „Beim Kauf einer En­ergiesparlampe nur A-Qualitäten in den Ein­kaufskorb legen.“ Auf jeder Lam­pen­ver­packung ist die enthaltene Quali­tätsstufe aufgedruckt. Zwar wird auch da gelogen, aber nicht so oft.
Den etwas anderen Lampenladen finden wir in der Wohlwillstraße in St. Pauli. Die drei In­haber betreiben Recycling und Zweckent­frem­dung von Alltagsgegen­stän­den in feinster Handarbeit. Die Lampen an der Wand – natürlich alles Unikate – wurden aus bunten Lang­spielplatten gesägt und mit einem Heißluftfön in Form gebracht. Hier kommt ganz selbstverständlich eine warmweiße Energiespar­lampe zum Einsatz. Eine normale Glüh­birne könnte durch ihre Wärmeabgabe das empfindliche Material der Schall­platte zum Schmelzen bringen. „Seit es den Laden gibt, ist noch nie eine konventionelle Glüh­birne über den Ladentisch gegangen“, versichert Dennis Schnelting, einer der In­haber. Knapp unter 100 Euro kosten die originellen Lichtspender an der Wand. Und wer sich den Elektrolux-Staub­­sauger des Jahrgangs 1961 als Leselampe ins Wohn­zimmer stellen will, muss 300 Euro auf den Ladentisch legen – die formschöne Ener­gie­sparlampe inklusive.

Gibt es Alternativen zur Energiesparlampe?

Halogen – Lampen sind weiterhin erlaubt. Der interessierte Verbraucher sollte den Unterschied zwischen Hochvolt- Halogen und Niedervolt-Halogen allerdings kennen und beachten. Hochvolt-Halogen­lam­pen sparen kaum etwas an Energie - man spricht von rund 15 Prozent Einsparung gegenüber der konventionellen Glühbirne. Die Niedervolt-Halogenlampe dagegen spart massiv und ihre Lichtausbeute ist zudem wesentlich höher. Wenn also Halo­gen, dann in Niedervolt-Technologie investieren.
Fachleute sehen in LED-Leuchten eine ech­te Alternative zu den Energie­spar­lampen. Allerdings kann das noch ein paar Jahre dauern. LED-Lampen kennen wir aus den Heckleuchten von modernen PKW. Sie sind praktisch unverwüstlich, halten ein Auto­leben lang oder länger. Auch im Haushalt können sie wertvolle Be­leuch­tungsdienste leisten. Überall, wo punktgenaues Licht erwünscht ist, etwa bei der Leselampe, der Beleuchtung eines Bilder­rahmens, oder als Strahler über der Kü­chen­arbeitsplatte ist die LED die sinnvollste Lösung. LEDs sind nicht billig, aber sie sparen enorm Energie und sie werden ohne Schadstoffeinsatz produziert. Sie sind wohl bald eine echte Alternative zur quecksilberhaltigen Ener­gie­sparlampe.

Rainer Link

Wissenswertes über LED Lampen

LED-Lampen beginnen bei 4 und enden bei rund 80 Euro. Passable Modelle gibt´s ab etwa 20 Euro. LEDs liefern sofort mit dem Anschalten die maximale Helligkeit. Sie werden nicht besonders heiß, sind also kindersicher. Die Lebensdauer reicht von 10.000 bis max. 50.000 Stunden. LEDs erhalten keine relevanten Schadstoffe, können also über die Hausmülltonne entsorgt werden. Sie sind in verschiedenen Weißtönen erhältlich. LEDs mit der Bezeichnung 2700 K liefern ein sehr warmes Licht, bei 5000 K beginnt das Neutralweiß-Spektrum. Mittlerweile sind auch LEDs in Birnenform auf dem Markt.

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